Der Wolf wurde zum ersten Mal im Saarland gesichtet

Saarbrücker Zeitung

SAARPFALZ-KREIS, Natur & Umwelt, Autor: Michael Beer, Reporter der SZ, Lokalredaktion St. Ingbert

Wolf Wildkamera
Beispiel Ansicht Wildkamera Wolf

St. Ingbert

Nachdem in Rheinland-Pfalz schon viele Sichtungen dokumentiert sind, hat der scheue Räuber jetzt auch den Bliesgau durchwandert.

Erste dokumentierte Sichtung

Gerade zwei Wochen ist es her, dass Christian Engel, zertifizierter Natur- und Landschaftsführer aus Blieskastel und Bildungsberater zum Thema Wolf, in St. Ingbert einen Vortrag angeboten hat unter dem Titel „Der Wolf kommt“.  Dessen Tenor: Der scheue Tier ist rund um das Saarland vielfach gesichtet worden, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Räuber auch die Landesgrenze auf leisen Pfoten überschreitet. Und siehe da, im Zuge der SZ-Recherchen bestätigt das Umweltministerium eine Sichtung, mit einer Wildkamera dokumentiert, in der Biosphäre Bliesgau unweit von Bliesransbach. Die Aufnahme des Tieres ist gut vier Wochen alt. Erst mit dem Vortrag in St. Ingbert und der daraus resultierenden Nachfrage ist die Beobachtung öffentlich geworden.

Ein „Jährling“ auf der Durchreise

Dabei ist die Nachricht eine kleine Sensation. Seit der Jahrtausendwende ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch. Insbesondere in den östlichen Bundesländern, aber zunehmend auch andernorts. Lediglich das Saarland war bislang ein weißer Fleck auf der Wolfskarte. Das hat sich nun geändert. Das Umweltministerium erläutert zu der ersten dokumentierten Sichtung, es habe sich um ein junges Tier, einen sogenannten „Jährling“ auf der Durchreise gehandelt. Weder einen Riss noch sonstige Spuren habe es hinterlassen. Das Land habe einen Managementplan seit 2017. Der werde derzeit überarbeitet und bald veröffentlicht.

Wölfe gehen dem Menschen in den meisten Fällen aus dem Weg, betont Experte Christian Engel.

Die Rückkehr des Wolfes löst unterschiedliche Emotionen aus. Der Blieskasteler Biosphärenführer Engel will mit seinem Vortrag Ängste nehmen. Die Franzosen, erzählt er, nannten das heutige Saarland Anfang des 19. Jahrhunderts „Land der Wölfe“. Zu jener Zeit gab es noch 2000 Tiere. Sie wurden erbarmungslos gejagt und ausgerottet. Der Beutegreifer sei per se nicht aggressiv, gehe dem Menschen in den meisten Fällen aus dem Weg, betont Engel. Eine Untersuchung in Niedersachsen über ein Jahr hinweg habe drei Sichtungen durch Menschen, aber über 60 auf Kameras ergeben. Sollte sich ein Wolf einem Wanderer oder Spaziergänger nähern, auf weniger als 30 Meter herankommen, sei es sinnvoll, sich groß aufzurichten und laut zu werden. Nur eines dürfe man nicht: ihn bedrohen, bewerfen, oder einen Hund auf ihn hetzen. Engel fährt seit Jahren regelmäßig nach Rumänien, erlebt dort, wie die Bewohner des Landes mit Wolf und Bär umgehen. Davon könne man lernen, sagt er. Untersuchungen zufolge fresse das Tier das, was es leicht erbeuten könne. Bei gut geschützten Weidetieren also das Reh im Wald.

Ganz anders schauen die saarländischen Schaf- und Ziegenhalter auf die Rückkehr des Raubtieres. Steffen Uhl, Vorsitzender des Verbands: „Wir sind ein dicht besiedeltes Land. Der Wolf gehört nicht hierher.“ Man solle ihn so züchten, dass er Gras fresse, sagt er sarkastisch. Uhl erwartet eine Reihe von Problemen, sollte der Wolf über den Gastbesuch hinaus das Saarland für sich entdecken. Reiße er ein Weidetier, müsse es der Landwirt so lange liegen lassen, bis die Behörden den Fall als tatsächlich vom Wolf verursacht bestätigt haben. Uhl: „Wenn das freitags passiert, kann es schon Montag oder Dienstag werden.“ Ein Zuchttier koste den Landwirt zudem 3000 Euro. Er bekomme aber nur 150 bis 200 Euro bei einem bestätigten Wolfsriss. Auch Schäden, die entstünden, wenn der Wolf eine Herde zum Ausbrechen bringe, blieben wohl am Halter hängen, wenn er die Attacke nicht nachweisen könne. Der Verbandschef fürchtet, viele Züchter und Halter könnten hinwerfen, wenn die ersten Risse ihre Herden dezimierten. „Der Wolf steht auf der Roten Liste, das ist klar“, räumt Uhl ein. Mit dem Umweltministerium stehe man im Dialog. Er erwartet intensive Gespräche in den kommenden Wochen.

 

Quelle:  www.saarbruecker-zeitung.de

Vortragsreihe zum Thema Wolf von Referent Christian Engel: